Die Zahnmorphologie ist ein zentraler Bestandteil der zahnmedizinischen Ausbildung und zielt darauf ab, Studierenden ein systematisches Verständnis der anatomischen Zahnform und ihrer dreidimensionalen Strukturmerkmale zu vermitteln1,2. Das Zahnmodellieren als wichtiger Bestandteil des Zahnmorphologie-Unterrichts spiegelt nicht nur die Beherrschung der Zahnanatomie durch die Studierenden wider, sondern schult auch deren Feinmotorik und operative Fähigkeiten3,4. Es bildet eine wesentliche Grundlage für die klinische Praxis, insbesondere in der prothetischen Behandlung2,5.
Die traditionelle Ausbildung im Zahnmodellieren erfolgt gewöhnlich unter Anleitung von Lehrkräften, bei der Studierende die anatomische Morphologie von Front- und Seitenzähnen mithilfe von Wachs- oder Seifenblöcken modellieren3,5. Aufgrund des Ungleichgewichts zwischen der Anzahl der Lehrkräfte und der Studierenden ist es jedoch schwierig, innerhalb eines begrenzten Unterrichtszeitraums ausreichende individuelle Betreuung zu gewährleisten4,5. Zudem haben Studierende häufig erhebliche kognitive Schwierigkeiten beim Übergang von zweidimensionalen Abbildungen zu dreidimensionalen Formen, was die Lern- und Lehrwirksamkeit beeinträchtigen kann2,5,6.
In den letzten Jahren wurden mit der rasanten Entwicklung digitaler Technologien dreidimensionaler Druck, Augmented Reality, Virtual Reality und andere digitale Ansätze zunehmend in der anatomischen Ausbildung und im Unterricht im zahntechnischen Labor eingesetzt6,7,8,9. Diese Technologien überwinden die räumlichen Darstellungsgrenzen traditioneller zweidimensionaler Atlanten, der Beobachtung physischer Modelle und der Lehrerdemonstrationen und bieten den Studierenden ein anschaulicheres, dynamischeres und dreidimensionales Lernerlebnis5,6,9.
Die erweiterte Realität ist eine Visualisierungstechnologie, die computergenerierte virtuelle Informationen in Echtzeit in die reale Umgebung einblendet und so eine Verschmelzung von Virtuellem und Realem sowie eine Interaktion zwischen Mensch und Computer ermöglicht. Durch die Ergänzung dreidimensionaler Daten und räumlicher Informationen in realen Szenarien kann die erweiterte Realität die Wahrnehmung komplexer räumlicher Strukturen durch den Beobachter erweitern10,11. Diese Eigenschaft macht die erweiterte Realität besonders geeignet für praktische Lehrszenarien, die räumliches Verständnis und Hand-Auge-Koordination erfordern. Gegenwärtig wurde die AR-Technologie bereits vorläufig im anatomischen Unterricht eingesetzt und erhielt positive Rückmeldungen11,12,13. Über den Bildungsbereich hinaus wurde AR auch in die klinische Zahnmedizin übertragen. Beispielsweise berichteten Macrì et al. über den Einsatz der AR-gestützten chirurgischen Freilegung eines eingeschobenen Zahns und zeigten, dass die AR-basierte räumliche Registrierung und die Echtzeit-Überlagerung von Virtuellem und Realem in der oralen chirurgischen Navigation Anwendung finden kann14. Diese klinische Anwendung bietet zusätzliche Unterstützung für die Einführung der AR-gestützten räumlichen Visualisierung in die Ausbildung zur Zahnmorphologie.
In diesem Protokoll wurde AR-Technologie eingesetzt, um die Zahnmodellierungsübung zu unterstützen, indem den Studierenden während des Trainings eine kontinuierliche, intuitive dreidimensionale visuelle Referenz bereitgestellt wurde, die eine Ergänzung zur herkömmlichen Anleitung durch Dozierende darstellen kann. Zu diesem Zweck wurde ein AR-gestütztes System zur Zahnmodellierung gemeinsam entwickelt und besteht hauptsächlich aus AR-Software, einer hochauflösenden Kamera, einer Halterung für den Wachsblock sowie vier separat hergestellten dreidimensionalen Objektverfolgungsmarkern. Die Marker wurden auf der Trägerbasis montiert, die den Wachsblock in einer vordefinierten Position hält. Während des Betriebs erfasst das System Bilder des physischen Arbeitsbereichs über die Kamera. Nachdem ein dreidimensionaler Objektmarker auf der Basis erkannt wurde, wird das virtuelle Zahnmodell in Echtzeit an der entsprechenden Position auf dem Wachsblock in der Anzeigeoberfläche überlagert, wodurch den Studierenden eine visuelle Referenz für die Modellierung bereitgestellt wird.
Basierend auf diesem System wurde eine Einzelproben-Validierung durchgeführt. Ein Studierender, der den Kurs zur Zahnanatomie abgeschlossen hatte, führte das Zahnschnitzverfahren unter Anleitung des vorgeschlagenen AR-gestützten Protokolls durch. Der geschnitzte Zahn wurde anschließend gescannt und als dreidimensionales Modell verarbeitet, und eine objektive morphologische Abweichungsanalyse wurde durch Vergleich mit dem Standard-Zahnmodell durchgeführt. Die vorläufigen Ergebnisse der Einzelprobenuntersuchung deuten darauf hin, dass der Einsatz des AR-ATCS als unterstützendes Werkzeug für die Ausbildung in der Zahnmorphologie machbar ist.