Dieses Protokoll liefert einzelne, stabförmige ventrikuläre Kardiomyozyten aus N. furzeri, die für hochauflösende Ganzzell-Patch-Clamp-Aufzeichnungen geeignet sind. Ein erfolgreicher Zellisolierung wird zunächst anhand der Zellmorphologie und der Qualität des Verschlusses beurteilt und anschließend funktionell bestätigt durch die Fähigkeit, stabile Aktionspotentiale sowie alle wesentlichen ionischen Ströme mit der erwarteten Spannungsabhängigkeit und Amplitude aufzuzeichnen. Die repräsentativen Aufzeichnungen unten stammen von jungen N. furzeri und definieren die Referenzwerte, die auf eine gesunde, gut angekoppelte Zelle hinweisen. Abweichungen von diesen Referenzwerten deuten typischerweise auf eine suboptimale Isolierung hin und werden jeweils zusammen mit dem entsprechenden Kriterium beschrieben.
Zellmorphologie und Bildung der Dichtung
Lebensfähige ventrikuläre Kardiomyozyten von N. furzeri erscheinen gestreckt und stabförmig mit einer glatten, morphologisch intakten Sarkolemma (Abbildung 3). Bei einigen Zellen war unter dem Lichtmikroskop eine schwache quer verlaufende Streifung erkennbar, obwohl diese nicht in jeder Zelle eindeutig aufgelöst war; daher wurden die glatte, intakte Membran und die gestreckte, stabförmige Morphologie als primäre Kriterien für die Auswahl der Zellen zur Ableitung herangezogen. Solche Zellen bilden leicht eine dichte Versiegelung (>1 GΩ) und vertragen den Membranruptur. Im Gegensatz dazu weisen runde, kontrahierte, granuläre oder geschwollene Zellen auf eine Überverdauung oder mechanische Schädigung hin: Sie versiegeln schlecht, zeigen ein schnelles Abklingen der Signale und sollten verworfen werden. Eine gesunde Zelle weist ein stabiles Ruhepotential auf und zeigt einen minimalen Leckstrom bei einem Haltepotential von -80 mV.
Aufzeichnungseigenschaften der Patch-Clamp-Technik
Ganzzell-Patch-Clamp-Aufnahmen wurden bei 22–24 °C unter Verwendung eines Patch-Clamp-Verstärkers durchgeführt. Die Signale wurden mit 10 kHz abgetastet und mit einem Tiefpassfilter bei 1–2 kHz gefiltert. Die Ausgangsverstärkung (α) wurde auf ×0,5 eingestellt, um die Signalauflösung am Digitalisierer zu optimieren. Der Serienwiderstand wurde um 70–80 % kompensiert; Verzögerung 10 µs. Die Aufnahmen wurden verworfen, wenn der geschätzte Zugangswiderstand 10–12 MΩ überschritt oder während der Aufnahme um mehr als ~10 % anstieg. Bei der Aufnahme von Aktionspotentialen und ionischen Strömen wurde keine lineare Leckstromsubtraktion angewendet.
Zellen wurden von der Analyse ausgeschlossen, wenn sie eines der folgenden Kriterien erfüllten: Ruhemembranpotential weniger negativ als −70 mV im Strom-Klemm-Modus; Unfähigkeit, eine stabile Gigaseal (>1 GΩ) zu bilden; Zugangswiderstand >10–12 MΩ nach Kompensation; schneller Abfall der ionischen Ströme während der Aufzeichnung; morphologische Schädigung (abgerundetes, granuläres oder hyperkontrahiertes Aussehen).
Aktionspotentiale (positive Kontrolle der Vitalität)
In der Strom-Klemm-Messung aufgezeichnete Aktionspotentiale liefern die direkteste Beurteilung der elektrischen Vitalität eines isolierten Kardiomyozyten. Lösen Sie Aktionspotentiale durch 1 ms lange depolarisierende Stromimpulse (0,4–1 nA, etwa 30 % über der Schwelle) aus. Stellen Sie die Stimulationsfrequenz auf 0,3 Hz ein. Nehmen Sie die Aktionspotentiale nach etwa 5 Minuten auf, sobald die Wellenform einen stabilen, stationären Zustand erreicht hat. Bei einem gut isolierten Kardiomyozyten junger N. furzeri ist das Ruhemembranpotential (RMP) stabil und liegt nahe bei -85 mV (Abbildung 4B). Das Aktionspotential überschwingt bis etwa +30 mV, wodurch ein klarer Alles-oder-Nichts-Anstieg entsteht (Abbildung 4A). Typische Merkmale des Aktionspotentials umfassen eine APD90 von etwa 530 ms, eine APD50 von etwa 460 ms und eine maximale Anstiegsgeschwindigkeit (dV/dtmax) von etwa 50 V s-1. Ein depolarisiertes RMP (weniger negativ als etwa -70 mV), vermindertes oder fehlendes Überschwingen, verlangsamte Anstiegsgeschwindigkeit oder die Unfähigkeit, in den meisten Fällen eine wiederholte Aktivität mit stabiler Amplitude und Dauer aufrechtzuerhalten, weist auf eine beschädigte oder schlecht geklammerte Zelle hin, die nicht zur Beurteilung der Aktionspotentialmerkmale verwendet werden kann.
Schneller Natriumstrom (INa)
Der schnelle Natriumstrom liegt der Aufwärtsflanke des Aktionspotentials zugrunde und ist ein empfindlicher Marker für die Integrität der Membran und die Qualität der Spannungsfixierung. Unter Verwendung der auf Cs+ basierenden Lösungen in Tabelle 1 wird INa als großer, schnell aktivierender und inaktivierender Innenstrom registriert (Abbildung 5A). In gesunden jungen Myozyten wird INa nahe -60 mV nachweisbar, erreicht eine maximale Stromdichte von etwa -13 pA pF−1 bei etwa -30 mV und kehrt nahe +20 mV um (Abbildung 5B). Die Inaktivierungszeitkonstante sinkt von ~8 ms bei -50 mV auf ~2 ms bei -10 mV, und die Halbinaktivierungsspannung liegt nahe -70 mV13 (Abbildung 5C,D). Eine deutlich verminderte Amplitude des Spitzenstroms, ein verschobenes oder unscharf definiertes Umkehrpotential oder verlangsamte und verzerrte Aktivierungs-/Inaktivierungskinetik weisen auf unzureichende Spannungskontrolle (Fehler durch Serienwiderstand) oder beeinträchtigte Membranintegrität hin, nicht jedoch auf die Isolierung selbst.
Calciumströme (ICaL und ICaT)
Aufgezeichnet mit den Calciumstrom-Lösungen (Tabelle 1) zeigen N. furzeri-Kardiomyozyten einen netto einwärts gerichteten Calciumstrom mit zwei Komponenten. Der Strom beginnt sich bei etwa -60 mV zu aktivieren, was auf eine T-Typ-Komponente (ICaT) neben dem dominierenden L-Typ-Strom (ICaL) hinweist, und erreicht eine maximale Dichte von etwa -7 pA pF−1 zwischen -10 mV und 0 mV (Abbildung 6B). Die Identität der Komponenten wird pharmakologisch bestätigt: 10 µM Nifedipin blockieren den Strom teilweise, während 100 µM eine nahezu vollständige Hemmung bewirken (Abbildung 6A). Es ist wichtig anzumerken, dass eine Nifedipin-Konzentration von 100 µM nur in bestimmten Kontrollexperimenten verwendet wurde, um zu überprüfen, ob der verbleibende Strom nach 10 µM Nifedipin vollständig gegenüber höheren Konzentrationen empfindlich ist und somit als ICaT identifiziert werden konnte. Für Standard-Messungen reichen 50 µM aus, um den gesamten ICa-Strom vollständig zu blockieren. Die ICaL-Komponente wird definiert als der Strom, der von einem Haltepotential von -50 mV aus ausgelöst wird, und ICaT ergibt sich als Differenz zwischen dem Strom, der von -90 mV aufgezeichnet wurde, und dem isolierten ICaL (Abbildung 6C,D). Ein klar abgegrenzter, Nifedipin-empfindlicher einwärts gerichteter Strom mit den beschriebenen Aktivierungs- und Spitzenstromspannungen weist auf gut erhaltene Calciumkanäle hin.
Verzögerte rectifizierende Kaliumströme (IKr und IKs)
Das Vorhandensein von nach außen gerichteten Kaliumströmen bestätigt, dass die Repolarisierungsausrüstung nach der Isolation funktionsfähig bleibt. Unter den pharmakologischen Bedingungen (Tabelle 2) führt eine Depolarisation auf -40 mV und darüber in allen gesunden Zellen zu einem nach außen gerichteten Strom. Mit selektiven Blockern lassen sich zwei Komponenten unterscheiden: der langsame verzögerte Rektifikationsstrom (IKs), empfindlich gegenüber Chromanol 293B (20 µM), und der schnelle verzögerte Rektifikationsstrom (IKr), empfindlich gegenüber E4031 (1 µM) (Abbildung 7A,B). In Myozyten junger Fische erreichen sowohl IKs als auch IKr bei starker Depolarisation eine Dichte von etwa 1 pA pF−1 (Abbildung 7C,D). Das Vorhandensein beider Komponenten des verzögerten Rektifikationsstroms, die bei der humanen ventrikulären Repolarisation eine wesentliche Rolle spielen, jedoch in Standard-Rodent-Modellen geringer zum Tragen kommen14, dient als zentrale Bestätigung dafür, dass die aufgezeichnete Zelle ein N. furzeri-Ventrikelmyozyt mit intakten repolarisierenden Strömen ist.
Hintergrund-inward-Rektifier-Strom (IK1)
Der Hintergrund-Inward-Rectifier-Strom bestimmt das Ruhe-Membranpotenzial und lässt sich bequem mittels eines Spannungsanstiegsprotokolls von +60 auf -120 mV bewerten (Abbildung 7E). In einer gesunden Zelle kehrt sich IK1 nahe -80 mV um, was mit dem im Strom-Klemm-Modus gemessenen RMP übereinstimmt. Bei Potentialen positiv zum Umkehrpotenzial zeigt IK1 eine charakteristische outward-wandige Erhebung, die bei mehreren pA pF−1 ihr Maximum erreicht (Abbildung 7F). Ein Umkehrpotenzial, das weit von -80 mV entfernt liegt, oder ein großer Ruhestromwechsel weisen auf eine schlechte Dichtung oder eine beschädigte Membran hin.
Insgesamt gilt eine Präparation als erfolgreich, wenn sie langgestreckte, stabförmige Zellen mit glatten, intakten Membranen ergibt, die Gigaohm-Dichtungen bilden und die oben beschriebenen charakteristischen Aktionspotenzial-Wellenformen sowie Stromsignatur aufweisen. Die Gewinnung mehrerer solcher Zellen aus einem einzigen Herz bestätigt, dass die enzymatische Dissoziation sowohl die Membranintegrität als auch das vollständige Repertoire kardialer Ionenkanäle bewahrt hat, die für nachgeschaltete elektrophysiologische Untersuchungen erforderlich sind.

Abbildung 1: Verfahren zur Isolierung ventrikulärer Kardiomyozyten aus dem Herzen von N. furzeri. (A) Für kleine Fische modifiziertes System zur Kardiomyozyten-Isolierung. (B) Fisch in einer Präparationswanne fixiert, Bauchseite nach oben, mit quer und längs eingeschnittener Peritonealhaut. (C) Herz von N. furzeri kaniert und zur Perfusion fixiert. BA – Bulbus arteriosus, V – Ventrikel. Der Pfeil zeigt die Strömungsrichtung der Lösung in den Ventrikel an. Bitte klicken Sie hier, um eine vergrößerte Version dieser Abbildung anzusehen.

Abbildung 2: Spannungs-Klemm-Protokolle, die zur Aufzeichnung jedes spezifischen ionischen Stroms verwendet wurden. Bitte klicken Sie hier, um eine größere Version dieser Abbildung anzusehen.

Abbildung 3: Repräsentatives Mikrofotografie eines ventrikulären Kardiomyozyten von jungen N. furzeri. Bitte klicken Sie hier, um eine größere Version dieser Abbildung anzusehen.

Abbildung 4: Repräsentatives Aktionspotential, aufgezeichnet von einem ventrikulären Kardiomyozyten eines jungen N. furzeri. (A) Aktionspotential-Wellenform. Der Ausschnitt zeigt den schnellen Anstieg auf einer vergrößerten Zeitskala. (B) Aktionspotential-Charakteristika, gemessen an isolierten jungen Myozyten (Ruhemembranpotential, APD50, APD90 und maximale Anstiegsgeschwindigkeit). (N = 7, n = 13). Die Werte sind als Mittelwert ± Standardfehler des Mittelwerts dargestellt. Bitte klicken Sie hier, um eine größere Version dieser Abbildung anzusehen.

Abbildung 5: Schneller Natriumstrom (INa) aus einem ventrikulären Kardiomyozyten eines jungen N. furzeri aufgezeichnet. (A) Repräsentative Aufzeichnung des INa. (B) Strom-Spannungs-Beziehung für INa, aktivierend bei etwa -60 mV mit einem Maximum bei etwa -30 mV. (C) Spannungsabhängigkeit der Inaktivierungszeitkonstante. (D) Steady-State-Aktivierungs- und Inaktivierungskurven. (N = 5, n = 11). Die Werte sind als Mittelwert ± S.E.M. dargestellt. Bitte klicken Sie hier, um eine größere Version dieser Abbildung anzusehen.

Abbildung 6: Kalziumströme in einem jungen N. furzeri-ventrikulären Kardiomyozyten. (A) Repräsentative Aufzeichnung des netto Kalziumstroms unter Kontrollbedingungen sowie in Gegenwart von 10 µM und 100 µM Nifedipin in einem jungen N. furzeri-ventrikulären Kardiomyozyten. (B) Strom-Spannungs-Beziehung für den netto Kalziumstrom, der nahe -60 mV aktiviert wird und ein Maximum nahe -10 mV aufweist (N = 5, n = 11). (C) Strom-Spannungs-Beziehung für die T-Typ-Komponente (ICaT) (N = 3, n = 6). (D) Strom-Spannungs-Beziehung für die L-Typ-Komponente (ICaL) (N = 5, n = 7). Die Werte sind als Mittelwert ± S.E.M. dargestellt. Bitte klicken Sie hier, um eine vergrößerte Version dieser Abbildung anzusehen.

Abbildung 7: Kaliumströme in ventrikulären Kardiomyozyten junger N. furzeri. (A) Repräsentative Aufnahme des langsamen verzögerten Rektifikationsstroms (IKs), isoliert in Gegenwart von E4031 (1 µM) zur Blockade von IKr. (B) Repräsentative Aufnahme des schnellen verzögerten Rektifikationsstroms (IKr), isoliert in Gegenwart von Chromanol 293B (20 µM) zur Blockade von IKs. (C) Strom-Spannungs-Beziehung für den IKs-Strom (N = 5, n = 9). (D) Strom-Spannungs-Beziehung für den IKr-Strom (N = 5, n = 10). (E) Repräsentativer IK1-Strom, aufgezeichnet mit einem absteigenden Spannungsanstiegsprotokoll von +60 mV auf -120 mV. (F) Strom-Spannungs-Beziehung für IK1, mit Umkehrung nahe -80 mV (N = 5, n = 18). Die Werte sind als Mittelwert ± S.E.M. dargestellt. Bitte klicken Sie hier, um eine vergrößerte Version dieser Abbildung anzusehen.
| Lösungsname | Reagenz und Konzentration (mM) |
| Extrazelluläre Lösung für Aktionspotenzial und Kaliumströme | 150 NaCl, 3 KCl, 1,2 MgCl2, 1,8 CaCl2, 10 Glukose, 10 HEPES; pH 7,4 mit NaOH eingestellt |
| Intrazelluläre Lösung für Aktionspotenzial und Kaliumströme | 140 KCl, 1 MgCl2, 5 EGTA, 4 MgATP, 0,03 Na2GTP und 10 HEPES; pH 7,2 mit KOH eingestellt |
| Extrazelluläre Lösung für Natriumstrom | 20 NaCl, 123 CsCl, 1 MgCl2, 1,8 CaCl2, 10 Glukose und 10 HEPES; pH 7,2 mit CsOH eingestellt |
| Intrazelluläre Lösung für Natriumstrom | 5 NaCl, 130 CsCl, 1 MgCl2, 5 EGTA, 10 HEPES, 4 MgATP, 0,03 Na2GTP und 15 TEA; pH 7,2 mit CsOH eingestellt |
| Extrazelluläre Lösung für Calciumstrom | 150 NaCl, 3 CsCl, 1 MgCl2, 1,8 CaCl2, 10 Glukose und 10 HEPES; pH mit NaOH auf 7,2 eingestellt |
| Intrazelluläre Lösung für Calciumstrom | 130 CsCl, 1 MgCl2, 5 EGTA, 10 HEPES, 4 MgATP, 0,03 Na2GTP und 15 TEA; pH 7,2 mit CsOH eingestellt. |
Tabelle 1: Zusammensetzung der extrazellulären und intrazellulären Lösungen für die Patch-Clamp-Aufzeichnung von Aktionspotentialen und ionischen Strömen.
| Aufgezeichneter Strom | Blockerkonzentration (μM) |
| 1. | Aktionspotential | Keine Blocker erforderlich |
| 2. | IKr | 50 Nifedipin, 20 Chromanol 293B |
| 3. | IKs | 50 Nifedipin, 1 E4031 |
| 4. | IK1 | 50 Nifedipin, 20 Chromanol 293B, 1 E4031 |
| 5. | INa | 50 Nifedipin |
| 6. | ICaT | 1 Tetrodotoxin |
| 7. | ICaL | 1 Tetrodotoxin |
Tabelle 2: Pharmakologische Blocker, die den extrazellulären Lösungen zur selektiven Ableitung eines bestimmten ionischen Stroms hinzugefügt wurden.